med.zukunftslabor

Inspiration für die Zukunft

Mit unserem Blog inspirieren wir für eine erweiterte Gesundheitsversorgung, die die Bedürfnisse der Patienten und Gesundheitskonsumenten mit einer starken Beteiligung in den Mittelpunkt stellen. Hieraus ergibt sich die Chance einer neuen Gesundheitskultur. Packen wir es gemeinsam an!


Zukünftige Geschäftsmodelle haben die Entwicklung des Verständnisses von Gesundheit wahrzunehmen

GESTERN: In den vergangenen Jahren wurde die Gesundheit des Menschen mit Aufklärung, einem umfassenden Gesundheitsversorgungssystems und Industrialisierung professionalisiert. Eine wichtige und beachtliche Leistung! Die Zeit und Entwicklung schreitet aber voran und wir müssen Geschehnisse reflektieren und daraus lernen. Durch die großartige Möglichkeit hat sich der Mensch aber dabei schleichend von seinem Körper und dem Gefühl für seine Verfassung entfremdet. Das Wissen um die Erhaltung für die eigene Gesundheit wurde nach und nach an professionelle Gesundheitsakteure übertragen. Der Einzelne war und ist auch noch heute auf den auf Arbeits- und Leistungsfähigkeit getrimmten Reparaturbetrieb des Gesundheitssystems angewiesen.

 

HEUTE: Die nächste und heutige Welle heißt überwiegend noch Selbstverantwortung. Diese Entwicklung führte einerseits zu Einschnitten im Gesundheitssystem, andererseits zu einem Optimierungsstreben. Dabei ist zu erkennen, dass einer Selbstoptimierung nachgeschlichen wird, ohne dass man das gesundheitliche Idealbild selbst jemals erreicht. Was ist passiert? Irgendwie haben wir uns treiben lassen, zu einem verkrampften Umgang mit dem Thema Gesundheit. Mittlerweile ist auf der einen Seite eine Form der gesellschaftlichen Kontrolle entstanden und auf der anderen Seite ein überspitzter Körperkult. Gesundheit wurde zu einem öffentlich ausgestellten Gut in der Gesellschaft.

 

MORGEN: Wende! Gesellschaftlich wird eine Bewegung spürbar, in der sich eine doppelte Abkehr von der Fokussierung auf den Einzelnen zeigt. Immer mehr Menschen lehnen die reine leistungsorientierte Selbstverantwortung für das Erreichen eines dazu noch fremdbestimmten Idealbildes von einem gesunden Körper und Geist ab. Auch entwickelt sich ein neues Gespür für die Wechselwirkung des Themas Gesundheit mit dem Umfeld. Letztlich verstehen die (schon einmal vorgestellten) „neuen“ Health-Holistiker Gesundheit als Resonanzraum, der erst durch menschliche Interpretationen und menschliches Handeln hergestellt wird. Das bedeutet: Wir erleben eine weitere REIFE!

 

FAZIT: Wir müssen aufpassen, dass wir uns mit unseren Geschäfts- und Versorgungsmodellen nicht immer um uns selber kreisen und dabei nur die Vergangenheit zugrunde legen. Die bewusste Wahrnehmung von Entwicklungen, die außerhalb unserer Sichtweisen liegt, ermöglichen uns erst ein neu Denken für uns und unsere Geschäfts- und Versorgungsmodelle. Was könnte aus einem Gesundheitssystem werden, wenn wir die entstehende „Kraft“ des Miteinanders nutzen würden? Wir würden Geschäfts- und Versorgungsmodelle bekommen, die heute für viele nicht vorstellbar sind, aber die uns gesellschaftlich in der Gesundheitsversorgung bereichern würden.

 

TIPP: Leiten Sie in Ihrem Unternehmen Bewusstseinsprozesse über die Zukunft, über Möglichkeiten und „Reifungen“ von Gesundheit ein.

Wertewandel „Gesundheitszufriedenheit“ am Arbeitsplatz

Heute geht es nicht mehr darum, dass die Arbeitsbedingungen keinen schädlichen Einfluss mehr auf unsere Gesundheit haben – diese Entwicklungsstufe haben oder müssten wir schon längst hinter uns gelassen haben. Immer mehr geht es darum, dass Arbeitsplätze unsere Gesundheit fördern. Denn Gesundheit ist heute gleichzusetzen mit Gesundheits-Zufriedenheit. Zufriedene und glückliche Mitarbeiter sind der beste Garant für Produktivität, Teamfähigkeit, Kreativität und Loyalität.

 

Aufgrund der Entwicklung ist deutlich wahrzunehmen, dass das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung steigt. Gleichzeitig ist aber die Widersprüchlichkeit zu erkennen, dass die psychischen Belastungen aufgrund der aktuell bestehenden Arbeitswelt weiter zu nehmen. Stress, Überforderung und Überarbeitung sind inzwischen eher gesellschaftsfähig geworden. Wer nicht jammert, weckt unter Umständen sogar Misstrauen, nicht genug zu tun zu haben. Krankschreibungen wegen psychischen Leiden haben weiterhin Rekordniveau. Im Altersvergleich treten sie aktuell am häufigsten bei Menschen in der Rush Hour des Lebens zwischen 35 und 44 Jahren auf. (Quelle DAK-Gesundheit).

 

Psychische Belastungen entstehen vor allem im Arbeitsalltag durch ständigen Termindruck (38 Prozent der Arbeitnehmer), schlechtes Arbeitsklima (37 Prozent), emotionaler Stress (36 Prozent) und Überstunden (36 Prozent) (Quelle: pronova BKK Joballtag in Deutschland).

 

FAZIT:Eine Umfrage der ManpowerGroup zeigt das Paradoxon, dass sich die Wünsche der Berufstätigen in eine ganze andere Richtung gehen: 36 Prozent möchten gern nach Feierabend besser abschalten können, 32 Prozent nehmen sich vor, die Arbeit lockerer zu sehen als bislang und sich Vorfälle weniger zu Herzen nehmen, 15 Prozent wollen weniger arbeiten. Ambitionen auf der Karriereleiter aufzusteigen, liegen weit hinter diesen Vorsätzen (Quelle: Job-Ambitionen 2016 ManpowerGroup).

 

TIPP: Wo viele jedoch an sich selbst scheitern und sich anders verhalten, als sie es sich vornehmen, ist die jüngere Generation konsequenter. Der Achtsamkeitstrend (Future Day 2017 Zukunftsinstitut) und die rasante Popularität von Meditation, Yoga und anderen Techniken zur Förderung der mentalen Gesundheit verändern das Bewusstsein  gegenüber der Akzeptanz von Stress. Der Wertewandel wird das Paradox, das heute bereits zwischen Wunsch und Wirklichkeit besteht, auflösen und dafür sorgen, dass immer weniger Menschen dazu bereit sind, einem Job nachzugehen, der sie krank und unglücklich macht, oder sich in eine Arbeitskultur zu begeben, die selbst auferlegte ungesunde Verhaltensweisen und Stress fördern. Arbeit wird zu einem Teil eines umfassenden Strebens nach mehr Lebensqualität.

 

 

Wandel des Megatrends Gesundheit

Gesundheit ist heute im gesellschaftlichen Kontext immer noch eine Privatsache. Alle gesundheitlichen Aktivitäten münden am Ende in eine gesteigerte Selbstverantwortung für das eigene Wohlbefinden. So wird der Weg zur eigenen Gesundheitszufriedenheit schnell zum Selbstoptimierungstrip, auch durch die digitalen Möglichkeiten, die ein lückenloses Health-Monitoring etabliert. Die nun aber erkennbare Auswirkung ist allerdings, dass der Wunsch nach Selbstoptimierung schnell zur Selbsterschöpfung führt.

 

Aus der Erkenntnis dieser Entwicklung erwächst sichtbar ein Wandel des Megatrends Gesundheit. Dabei sind zwei Entwicklungen deutlich wahrnehmbar:

  • Gegentrend zur Selbstoptimierung: Ein achtsamer und gelassener Zugang zur eigenen Gesundheit. Es wird die Frage gestellt: Was ist wirklich wichtig für das eigene Wohlbefinden?
  • Trend weg vom „Ich“, hin zum „Wir“: Es setzt sich eine umfassendere Perspektive auf Gesundheit als gemeinsam, verbindende Angelegenheit durch. Gesundheit entwickelt sich in einer vernetzten Welt zu einer Connective-Health, die auf die Kraft der Gemeinschaft setzt. (angelehnt an Zukunftsreport 2017 – Zukunftsinstitut)

Der Wandel des Megatrends Gesundheit zu Connective-Health wird heute an drei Entwicklungssträngen sichtbar:

  • Social-Health – Die Demokratisierung der Gesundheit: Durch die Sharing Economy und Peer-to-Peer-Netzwerke etablieren sich umfassende Kompetenznetzwerke, in dem Patienten zum aktiven Teil der Gesundheitsversorgung werden.
  • Collective-Health – Von Eigen zur Allgemeinverantwortung: Von unterschiedlichsten Alltagsakteuren werden gesunde Lebensräume gestaltet. Diese bieten Möglichkeitsraum oder Animationsstruktur für Bewegung und Sport, schaffen die Voraussetzungen und erweitern Optionen für Menschen, indem sie eine gesunde ökologische Lebensweise leicht und komfortabel zugänglich machen und fördern.
  • Global-Health - Die Zukunft der Menschheit: Gesundheit ist eine gemeinschaftliche Angelegenheit, für die die Verantwortung gemeinsam getragen werden muss. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen zukünftig deutlich mehr die komplexen Umweltbezüge und die globale Konnektivität.

TIPP: Wir müssen anfangen in Sachen Gesundheit und damit in der Ausrichtung unserer Angebote und Geschäftsmodelle anders zu denken, um zukunftsfähig zu bleiben. 

 

Zukunft: Was ist überhaupt HOLISTIC HEALTH?

Eine immer stärker spürbare kulturell-soziale Entwicklung wird sichtbar, die sich in dem Wandel des Mindsets hin zu einem individuellen und gleichzeitig umfassenden Verständnis von Gesundheit zeigt. Die bisherige gesellschaftliche Entwicklung hat teilweise zu einem verkrampften Umgang mit dem Thema Gesundheit geführt, eine überspitzte Körperkultur und eine Form gesellschaftlicher Kontrolle entstanden, die den eigenen Körper und die eigene Psyche zum öffentlich ausgestellten Gut macht. Plötzlich hat jeder etwas über das Gesundheitsverhalten seiner Mitbürger zu sagen. Rauchen, Überarbeitung, ungesunde Ernährung, zu wenig Schlaf ... kein angebliches Fehlverhalten, was nicht kommentiert wird. Wir erheben den Finger und zeigen auf andere. Damit ist aber bald Schluss!

 

Nichts hat seinen ewigen Bestand, daher ist es immer spannend zu schauen, welche ersten Entwicklungswellen der Veränderung sich schon heute zeigen, denn sie könnten den zukünftigen Gesundheitsmarkt verändern. Aktuell wird in der Gesellschaft eine neue Bewegung spürbar: Immer mehr Menschen lehnen die rein leistungsorientierte Selbstverantwortung für das Erreichen eines dazu noch fremdbestimmten Idealbildes von einem gesunden Körper und Geist ab. Das Thema wird von diesem Menschen zunehmend überindividuell, interaktiv und dynamisch betrachtet. Health-Holistiker schauen auf das große Wirkungsgefüge Gesundheit mit seinen in ihrer Vielfalt nie vollständig bestimmbaren Faktoren. Letztlich verstehen sie Gesundheit als Resonanzraum, der erst und immer wieder durch menschliche  Interpretationen und menschliches Handeln hergestellt wird.

 

FAZIT: Gesundheit wird zukünftig verstärkter zu einem gesellschaftlichen Thema. Aber aus der Perspektive heraus: Nicht nach dem Sozialstaat zu rufen, sondern im Gegenteil Verantwortung füreinander zu übernehmen nach dem Motto: Ich bin nicht nur für meine eigene, sondern auch für die Gesundheit meiner Mitmenschen verantwortlich.

 

ERKENNTNIS: Eine weitere Entwicklung für eine neue reifere Gesundheitskultur wird sichtbar!

 

 

Digividuum - Verschmelzung von Mensch und digitaler Technologie

Die digitalen Möglichkeiten der Gesundheit stellen eine virtuelle Erweiterung der menschlichen Lebenswelt dar. Der Mensch wird zum „Digividuum“: die digitalen Möglichkeiten werden Teil seiner alltäglichen Lebenswelt und verändern das Denken und Handeln, den Körper und den Geist. Dieser Fortschritt wird in Studien häufig negativ dargestellt und so fallen Schlagworte wie „Digitale Demenz“.

 

In der Betrachtung wird allerdings vergessen, dass wir als Gattung Mensch evolutionär erfolgreich sind, weil wir uns grundsätzlich bei veränderten Umweltbedingungen besonders flexibel und anpassungsbereit verhalten können. Daher werden die digitalen Möglichkeiten sich formend auf unser Gehirn auswirken, ob wir es wollen oder nicht. Da helfen auch keine Verhaltenseinschränkungen der „WHO“ über empfohlene Bildschirmzeiten.

 

Wir sollten der Realität ins Auge sehen, denn die digitale Welt ist eine menschengemachte Welt und kann daher auch von ihr intelligent geformt und gestaltet werden.

 

Über Gesundheit im digitalen Zeitalter nachzudenken heißt also nicht zuerst dem Menschen Verhaltensanpassungen an seine eigene Schöpfung abzuverlangen, was eh nicht funktioniert, sondern eher darüber nachzudenken, die digitale Welt gesundheitsfreundlicher zu gestalten.

 

PRAXIS: Wenn Digitalisierung heute also die Augengesundheit gefährdet, gilt es sich auf dem Weg zu machen, um noch bessere ergonomische Bildschirme zu entwickeln, und wenn die Digitalisierung zu psychischen Belastungen führt, muss die digitale Lebenswelt eine Slow-Bewegung erfahren, die sie menschenfreundlicher macht.

 

Darüber hinaus können wir bedeutende Erfindungen auch wunderbar nutzen, um unsere eigenen Gesundheitszustand gezielt zu beeinflussen. Schon heute werden an Gehirnimplantaten zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten und zur Unterstützung von Alzheimer oder schweren Hirnschäden geforscht. Langfristiges Ziel ist es, Menschen ein besseres Leben durch den Einsatz von technologischen Innovationen zu ermöglichen.  Es geht also um ein produktives Miteinander von Mensch und Digitalem. Dabei sollte sich das Digitale stets nach dem Menschen formen und nicht andersherum.  

 

Künstliche Intelligenz in der medizinischen Versorgung

Die heute verfügbare Menge an medizinischen Daten verdoppelt sich alle fünf Jahre. Studien zufolge sind circa 30 Prozent der weltweit verfügbaren Daten Gesundheitsdaten. Diese rasante Entwicklung ebnet einen weiteren bisher noch nicht vorhandenen Weg – einer informationsgetriebenen Gesundheitsvorsorge.

 

Dabei beantworten wir nicht mehr nur:

  • Descriptive Analyse – Was ist passiert? oder
  • Diagnostic Analytics – Warum ist es passiert?
  • sondern auch immer mehr
  • Predective Analytics – Was wird passieren? bis hin zu
  • Prescriptive Anaytics – Wie können wir handeln, damit es (nicht) passiert?

Auf Grundlage vorhandener Parameter können mit einem riesen Datenpool auch alle zukünftigen Risiken und Folgen einer Entscheidung mit berücksichtigt werden, um aus dieser Bandbreite zukünftiger Ergebnisse das Beste auszuwählen und damit die optimale Lösung  für die Gegenwart zu finden. Man kann feststellen, dass die künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung an „Fahrt“ gewinnt und uns heute noch nicht vorstellbare Ergebnisse in der Zukunft liefern wird.

 

PRAXIS: Bereits heute setzen Onkologen im „Memorial Sloan Kettering Cancer Center New York“ das künstliche Intelligenz-Computersystem „Watson“ von IBM ein, um Diagnosen für Krebsbehandlungen zu stellen. Dazu wird die Software mit über 100 Millionen Sätzen über Symptome, Krankheitsgeschichten und ärztlichen Bemerkungen aus Unterlagen von 200.000 Patienten gefüttert. Aus diesen Millionen Sätzen entwickelt die künstliche Intelligenz 10.000 Cluster mittels Mustererkennung, vergleicht diese Information mit den individuellen Symptomen des Patienten und entwickelt daraus eine Behandlungsmethode. Schon im April 2015 gründete IBM den Geschäftsbereich „Watson Health“.

 

 

Bezahlter gesunder Lebenswandel – gibt es das?

Bezahlter gesunder Lebenswandel – gibt es das? Ja, der Krankenversicherer Oscar mit Sitz in New York sammelt die Daten seiner Kunden durch Fitness-Armbänder und Smartwatches und zahlt Prämien für einen gesunden Lebenswandel. Wer kommt auf solch eine Idee?

 

Der Deutsche Mario Schlösser, der ein Start-up in den USA gründete. Sein Unternehmen „Hioscar“ gilt heute als große Tech-Hoffnung im Versicherungsmarkt und hat einen geschätzten Marktwert von 1,75 Milliarden US-Dollar. Irgendwie sind andere entspannter mit ihren Gesundheitsdaten und halten sich nicht bei der Endlos-Diskussion der digitalen Gesundheitskarte und dem Datenschutz auf.

 

Ein Forschungsergebnis aus der Universität in Pennsylvania zeigte, dass Health-Tracker allein nicht mehr als Motivation für eine gesunde Verhaltensveränderung garantieren. Laut der Studie wird geschätzt, dass ein Drittel bis die Hälfte der Menschen nach spätestens sechs Monaten die Nutzung der Fitness-Trackings wieder aufgibt. Health-Tracker können also nur ein Baustein von Maßnahmen sein, mit denen Menschen zu einem als gesund erachteten Verhalten angeleitet werden.

 

FAZIT: Auch hier ein weiteres Beispiel, dass digitale Komponenten wie Health-Tracker allein, nicht dauerhaft Nachhaltigkeit entfalten oder eine Verankerung in der Gesundheitsbegleitung oder –versorgung finden. Es bedarf mehr! Die digitalen Möglichkeiten müssen Verankerungen in soziokulturellen Wertschöpfungsketten finden, die durch bedarfsorientierte intelligente Vernetzungen hergestellt werden können.

 

2040 leben wir in einer Gesundheitsgesellschaft

Im Jahr 2040 werden wir endgültig in der Gesundheitsgesellschaft angekommen sein, so eine Studie  „Die Stadtwirtschaft von morgen“ aus dem Jahre 2012. Betrachtet man die heutige Entwicklung so ist erkennbar, dass diese Aussage nach fünf Jahren deutlich wirksam wird.

 

Festzustellen ist, dass Patienten und Gesundheitskonsumenten zunehmend das Gesundheitssystem im Hinblick auf die eigenen gesundheitlichen Unterstützungs- und Versorgungsbedürfnisse als unzulänglich empfinden. Zu wenig Transparenz, zu wenig Ganzheitlich, zu wenig Integrationsmöglichkeit im Alltag, zu wenig Zuwendung und zu erschwerter und/oder aufwendiger Zugang zu einfachsten Gesundheitsdienstleistungen.

 

Dabei ist der erste Gesundheitsmarkt mit seinen Budgetierungen und Leistungsvorgaben zu begrenzt, um den individuellen und vielfältigen Bedürfnissen der Patienten und Gesundheitskonsumenten gerecht zu werden. Der zweite Gesundheitsmarkt zu undurchsichtig und wenig orientierungsgebend.

 

Was wird nicht passieren? Die Patienten und Gesundheitskonsumenten von morgen ordnen sich den Systemdefiziten und der Anbieterdominanz unter.

 

Was wird passieren? Der Druck nach neuen innovativen Gesundheitsangeboten, die stärker den Bedürfnissen der Patienten und Gesundheitskonsumenten gerecht werden, wird steigen und zwar dynamisch. In einer postmodernen Gesellschaft bestimmt zukünftig der Patient und Gesundheitskonsument, wie Gesundheitsangebote und –services sich darzustellen haben. Der Gesundheitsmarkt wächst noch stärker vom regulierten Angebotsmarkt in Richtung vielseitiger Nachfragemarkt.

 

FAZIT: Gesundheitsanbieter, Leistungserbringer und Versorgungsakteure werden ihre Sichtweise gegenüber ihrem eigenen etablierten Angebot deutlich erweitern müssen. Dabei ist sich stärker mit den heute schon bekannten Defizit- und Wachstumsbedürfnissen der Patienten und Gesundheitskonsumenten auseinanderzusetzen. Es ist zuzulassen, dass es für den Patienten und Gesundheitskonsumenten keine Abgrenzung zwischen dem ersten und zweiten Gesundheitsmarkt, zwischen dem Arzt und Heilpraktiker, zwischen Ärzten und Therapeuten, zwischen online und offline gibt. Für IHN zählt nur eins – er will die bestmögliche Versorgung unter Ausschöpfung aller relevanten und wirksamen Möglichkeiten.

 

Robotik kann helfen! Die „deutsche“ Diskrepanz.

Fragt man uns Deutsche, so will lediglich jeder Vierte in Deutschland von einem Roboter gepflegt werden (BMBF2015) – grundsätzlich verständlich, wenn wir an den alten Vorstellungen von humanoiden Robotern festhalten. Aber die Zeit und Entwicklung schreitet kontinuierlich voran und daher müssen wir eine breitere Sichtweise zulassen, denn Roboter in der Gesundheitsversorgung sehen heute und zukünftig ganz anders aus.

 

Die Diskrepanz liegt heute darin, dass sich 50 Prozent der deutschen Bevölkerung mit dem Gedanken wohl fühlt, dass ein Roboter für ältere Menschen Tätigkeiten erledigt oder Gesellschaft leistet (Europaen Comission 2016: Gutes Gefühl – Unterstützung durch Roboter). Gesellschaftlich akzeptiert die Bevölkerung diese Entwicklung also und findet es unter Berücksichtigung der bekannten Herausforderungen sinnvoll.  Fragt man sie allerdings nach ihrer persönlichen Vorstellung, wird dies abgelehnt.

 

Dies zeigt sich auch in der Aussage, dass sich in Deutschland nur knapp 20 Prozent mit dem Gedanken wohlfühlen, ein Roboter nehme einen medizinischen Eingriff vor. In Schweden liegt das Vertrauen mittlerweile bei 41 Prozent (Europaen Comission 2016: Roboter als Ärzte: Steigendes Vertrauen). Das statistische Bundesamt vermeldet hierzu; das es im Jahr 2014 knapp 10.000 Operationen gab, bei denen ein OP-Roboter in deutschen Kliniken zum Einsatz kam. 2010 lag die Anzahl noch bei 5.200 Operationen – Tendenz stark steigend.

 

Fazit: Lassen Sie uns unser Mindset für die Möglichkeiten der Zukunftsentwicklung und hier im speziellen der Robotik offen verbreitern. Spezielle Pflegebetten, die das Umlagern von Patienten automatisch übernehmen, sind nicht gruselig, wenn man  an die wohltuenden Dienste von Massagestühlen denkt. Schon heute kommen selbststeuernde  Roboter zum Einsatz, die Transportdienste wie Essenauslieferungen oder die Beförderung von Wäsche und Medikamente ausführen.

 

Schauen Sie sich Beispiele für sinnvolle Robotik in der Gesundheitsversorgung an:

  • Der vom Frauenhofer-Institut entwickelte Care-o-Bot kann standardisierte Abläufe in der Pflegeeinrichtung übernehmen und befindet sich in der vierten Entwicklungsserien-Generation.
  • Das fahrerlose Transportsystem TransCar vom Schweizer Unternehmen swisslog, befördert Verbrauchsmaterial, Medikamente, Bettwäsche, Mahlzeiten oder Abfallprodukte in Kliniken (Festgelegter Stundenplan mit bis zu 500 km).
  • Das am häufigsten genutzte OP-Robotiksystem ist Da Vinci vom kalifornischen Unternehmen Intuitive Surgical. Das System wird in Deutschland von über 60 Kliniken genutzt. 

Gesundheitskompetenz in Deutschland wächst

Das Gesundheitswissen des Einzelnen ist zu einer gesellschaftlichen Erwartung geworden. Da die Gestaltung der eigenen Gesundheit nicht nur Pflicht, sondern auch Wunsch ist. 66 Prozent der Menschen in Deutschland hält sich in Gesundheitsfragen für kompetent (Quelle: Pfizer, Gesundheitswissen der Deutschen). 

 

In einer Befragung der Europäischen Kommission gaben 44 Prozent der Befragten an, sich sehr für ihre Gesundheit zu interessieren und sich mindestens einmal in der Woche medienübergreifend über Gesundheitsthemen zu informieren. Bewohner in ländlichen Regionen informieren sich häufiger als Großstädter: Ursache hierfür könnte der geringere direkte Zugang zur Gesundheitsversorgung auf dem Land sein. Über die Hälfte der 18-bis 29-jährigen und nur 37 Prozent der 60- bis 70-jährigen beschäftigen sich mindestens einmal pro Woche mit Gesundheitsthemen.

 

Unser Fazit:  Die Gesundheitskompetenz in der jüngeren Generation steigt um mehr als 50 Prozent an. Dies wird die Erwartungen an Gesundheitsversorgung, -dienstleistungen und Geschäftsmodellen im Gesundheitsmarkt deutlich verändern.

 

Unser Tipp: Die Erwartungen der neuen Gesundheitsgeneration sind anspruchsvoller. Dabei geht es darum als Partner wahrgenommen zu werden und im Rahmen einer Mitgestaltung und höheren Transparenz intensiv eingebunden zu sein. Patienten und Gesundheitskonsumenten werden zu Mitakteuren im Rahmen innovativer Geschäftsmodelle.  

 

Der klassische Patient verliert seine Identität

 

Der Patient von heute ist nicht entweder gesund oder krank, sondern sowohl als auch und befindet sich eigentlich schon immer in einem Kontinuum zwischen diesen beiden Polen. Mit den heutigen und zukünftigen personalisierten Gesundheitsangeboten und der Medizin, mit der zunehmenden aufklärenden Datenlage und dem einfachen Zugang an Überwachungsmöglichkeiten verschwimmt die Grenze zwischen Krankheit und Gesundheit. Die Zukunft zeichnet nicht mehr einen leidenden Patienten, der sich dadurch auszeichnet, dass ihm etwas fehlt, sondern etabliert immer mehr den souverän handelnden Menschen, der mit personalisierten Leistungsangeboten seine Gesundheit verbessern möchte und kann.

Mit dem Aufweichen der Grenzen, verändert sich die Wahrnehmung und noch mehr die Anforderung an die Orte im Alltag, die mit Gesundheit und Krankheit zu tun haben. Klassische Leistungsanbieter, wie beispielhaft Ärzte, Apotheker, Kliniken etc. werden ihr Portfolio (und damit sind nicht IGeL-Leistungen gemeint) auf die Bedürfnisse des Gesundheitskunden anpassen müssen, auch wenn dies im Leistungskatalog nicht abgebildet ist. Wir bekommen „Misch“-Kunden, „Misch“-Leistungen und „Misch“-Finanzierungen!

Unser Tipp: Je früher wir akzeptieren, dass aus Patienten Gesundheitskunden oder –konsumenten werden, umso schneller eröffnet sich für uns der Blick, dass wir unsere Gesundheitsangebote über alle Gesundheitsmärkte hinweg vernetzter, integrierter und personalisierter aufstellen müssen. Der Erfolg der Gesundheitsdienstleister misst sich zukünftig an den übergreifenden Vernetzungsgrad zu anderen Partnern und dem eigenen Gesundheitsklientel.

 

Perspektivwechsel Gesundheit - breiter, eingewebter, komplexer

Gesundheit ist mittlerweile Lebensziel. Wer gesund lebt, lebt ein gutes Leben. Doch ein Perspektivwechsel kündigt sich an: Der neue Blick auf die Gesundheit des Menschen ist ganzheitlich – endet aber nicht beim Menschen, sondern bezieht komplexe Wirkungsnetzwerke (siehe Grafik), in dem die Gesundheit von Individuen und ganzen Bevölkerungen stehen, mit ein. Dies wird heute aktuell im Zeitalter der Individualisierung und Selbstverantwortung meist ausgeblendet. In den nächsten Jahren werden wir aber erleben wie sich eine Vielzahl der gesundheitswirksamen Faktoren noch mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken und sich in den verschiedensten Lebens- und Umgebungsbedingungen einweben und daher in der Wirtschaft wiederspiegeln werden.

 

Unser Tipp: Es gilt zukünftig mehr denn je, Möglichkeiten für gesunde Entscheidungen zu schaffen und Hindernisse im Zugang und der Inanspruchnahme abzubauen. Gesundheit ganzheitlich denken heißt in der Zukunft, gesunde Lebenswelten zu schaffen, die Optionen und Räume für gesundheitsförderliches Verhalten bieten, ohne das Recht auf ungesundes Verhalten abzuschaffen. Beleben auch Sie mit gesunden Lebenswelten die neue Gesundheitskultur.

 

First Mover:

  • http://aoarchitect.us/projects/smart-city/
  • https://www.regionh.dk/nythospitalnordsjaelland/english/Sider/Welcome-to-New-North-Zealand-Hospital.aspx
  • http://www.raaaf.nl/nl/projects/927_the_end_of_sitting/1101
  • http://brooklynzoony.com/videos/
  • https://www.dacadoo.com/?lang=de

 

Patienten wollen mitgestalten – eine neue Gesundheitskultur entsteht

 

Fast schleichend, ohne große Aufmerksamkeit, aber getrieben von den Bedürfnissen der Patienten und Gesundheitskonsumenten wachsen unsere Gesundheitsmärkte in die Breite.

 

Neben einer gut ausgebauten Gesundheitsversorgung in dem gesetzlich geregelten Sicherstellungssystem, wächst der zweite Gesundheitsmarkt in seiner Kleinteiligkeit mit den privat finanzierten Produkten und Dienstleistungen kontinuierlich weiter. Zusätzlich entsteht ein dritter Gesundheitsmarkt oder man könnte auch sagen weitere Gesundheitsmärkte, die u.a. dem Gedanken der Sharing Economy und der Peer-to-Peer-Netzwerke folgen. Hier werden Patienten und Gesundheitskonsumenten zu Mitkompetenzträgern und Mitgestaltern ihrer eigenen Gesundheit. Gesundheitslaien und Professionelle verschmelzen zu einer Einheit und begegnen sich auf Augenhöhe. Hier erwächst der Keim einer neuen GESUNDHEITSKULTUR in Deutschland.

 

Damit aus dem „Keim“ was GROSSES wird, müssten sich die verschiedenen Gesundheitsmärkte öffnen und sich mit ihrer Kompetenz ineinander verweben. Voraussetzung dafür ist, dass man den gegenseitigen Mehrwerten, den jeder Gesundheitsmarkt besitzt vertrauensvoll begegnet, sich gegenseitig einlädt und gemeinsam NEUES ausprobiert.

 

 

Unser Tipp: Verlassen Sie die Grenze ihres aktuell tätigen Gesundheitsmarktes und bleiben Sie offen für Andockungspunkte aus anderen Gesundheitsmärkten, denn nur durch die Ganzheitlichkeit und Komplementarität decken Sie den zukünftigen Bedarf der Patienten und Gesundheitskonsumenten nach Vielfalt, Mitgestaltung und Empathie (Wachstumsbedürfnisse).

 

 

Beginnen kann man mit einer Denkfabrik, die Vertreter aus den unterschiedlichsten Gesundheitsmärkten einlädt, und die mit konkreten Ansätzen die neue Gesundheitskultur vordenkt.