Digividuum - Verschmelzung von Mensch und digitaler Technologie

Die digitalen Möglichkeiten der Gesundheit stellen eine virtuelle Erweiterung der menschlichen Lebenswelt dar. Der Mensch wird zum „Digividuum“: die digitalen Möglichkeiten werden Teil seiner alltäglichen Lebenswelt und verändern das Denken und Handeln, den Körper und den Geist. Dieser Fortschritt wird in Studien häufig negativ dargestellt und so fallen Schlagworte wie „Digitale Demenz“.

 

In der Betrachtung wird allerdings vergessen, dass wir als Gattung Mensch evolutionär erfolgreich sind, weil wir uns grundsätzlich bei veränderten Umweltbedingungen besonders flexibel und anpassungsbereit verhalten können. Daher werden die digitalen Möglichkeiten sich formend auf unser Gehirn auswirken, ob wir es wollen oder nicht. Da helfen auch keine Verhaltenseinschränkungen der „WHO“ über empfohlene Bildschirmzeiten.

 

Wir sollten der Realität ins Auge sehen, denn die digitale Welt ist eine menschengemachte Welt und kann daher auch von ihr intelligent geformt und gestaltet werden.

 

Über Gesundheit im digitalen Zeitalter nachzudenken heißt also nicht zuerst dem Menschen Verhaltensanpassungen an seine eigene Schöpfung abzuverlangen, was eh nicht funktioniert, sondern eher darüber nachzudenken, die digitale Welt gesundheitsfreundlicher zu gestalten.

 

PRAXIS: Wenn Digitalisierung heute also die Augengesundheit gefährdet, gilt es sich auf dem Weg zu machen, um noch bessere ergonomische Bildschirme zu entwickeln, und wenn die Digitalisierung zu psychischen Belastungen führt, muss die digitale Lebenswelt eine Slow-Bewegung erfahren, die sie menschenfreundlicher macht.

 

Darüber hinaus können wir bedeutende Erfindungen auch wunderbar nutzen, um unsere eigenen Gesundheitszustand gezielt zu beeinflussen. Schon heute werden an Gehirnimplantaten zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten und zur Unterstützung von Alzheimer oder schweren Hirnschäden geforscht. Langfristiges Ziel ist es, Menschen ein besseres Leben durch den Einsatz von technologischen Innovationen zu ermöglichen.  Es geht also um ein produktives Miteinander von Mensch und Digitalem. Dabei sollte sich das Digitale stets nach dem Menschen formen und nicht andersherum.